Draußen vor der Tür

DRAUẞEN VOR DER TÜR von Wolfgang Borchert

Beckmann kehrt aus der Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt Hamburg zurück. Durch den Krieg schuldig gemacht, suchend nach Sinn und Anschluss streift er durch die Straßen zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Tod und Leben. Die Begegnungen der Hauptfigur Beckmann mit allegoriehaften Figuren verleihen dem Stück aber auch absurd-komödiantische Züge. Unter ihnen »Ein Kabarettdirektor, der mutig sein möchte, aber dann doch lieber feige ist« oder »die Elbe« (der Fluss) höchstselbst. In der Inszenierung von Alejandro Quintana sind Textpassagen zudem teilweise musikalisch umgesetzt; Stimmlich stark und mit feuriger Liveband werden eigens für diesen Abend komponierte Rocksongs dargeboten (alle Kompositionen des Abends stammen von Sebastian Huber).

Nicht nur deshalb muss Borchert in einer Sache widersprochen werden – nämlich als dieser gleich zu Beginn seines Textes schrieb: Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will. Im Gegenteil, Quintana inszeniert einen aberwitzigen und lebendigen Abend. Und das Thema hochaktuell: Der Krieg hält an, ob in Syrien oder in Afghanistan. Soldatinnen und Soldaten kehren traumatisiert von Ihren Einsätzen zurück. Wolfgang Borchert, selbst Kriegsheimkehrer, schrieb das Stück innerhalb weniger Tage im Jahr 1947. Seine Kriegsheimkehrer-Tragödie gilt seither vielen als Antikriegsstück, als Protestschrei gegen die Katastrophe Krieg schlechthin.“

Regie: Alejandro Quintana
Kostüme: Renáta Balogh
Bühnenbild: Stephen Crane
Musikalisches Arrangement: Sebastian Huber
Darsteller und Musiker: Susan Ihlenfeld, Corinne Steudler, Florian Dehmel, Florian Führer, Sebastian Huber, Florian Janner, Henrik Schnieders, Uwe-Peter Spinner, Manoel Vinicius Tavares da Silva, Christian Werner

Premiere: 17 Mai 20:00 Uhr

Weitere Termine:
Vorstellungstermine der Spielzeit 2018/19 stehen derzeit noch nicht fest, werden aber so bald wie möglich bekannt gegeben.

Theater tri-bühne

Eberhardstraße 61a
70173 Stuttgart

Ein Stück, dass keiner spielen will  Vorbericht KULTUR Nr. 278 Mai 2018

Pressestimmen:

Großartiges Personal – Heftig und wachrüttelnd […] Zwei prall gefüllte Stunden ohne Pause, die keine Sekunde zu lang werden. […] sehr zeitgemäß adaptiertes Theater mit Musik und Gesang, mit Rhythmus in der Sprache, mit komödiantischem Witz und Ironie. […] Obwohl das Stück heftig ist, ist es alles andere als niederschmetternd. So muss Theater sein, wenn es wachrütteln will gegen die kriegerischen Drohgebärden der Polit-Zampanos dieser Welt, auf florierende Waffenexporte deutscher Unternehmen aufmerksam machen möchte und den Kriegs-Opfern sowie Soldaten heutiger Zeit eine Stimme gibt.
Petra Bail, Esslinger Zeitung 18.05.2018

[…] Quintana schafft düstere Bilder, lässt seine Darsteller schreien, wimmern, sich krümmen und spuckt ihnen dabei mit der drängenden Livemusik, die sein Stück untermalt, noch in den Nacken. Doch sind Borcherts Texte gleichzeitig auch Albtraumszenarien, die bei genauem Hinhören oft gar nicht so sehr nach Albtraum klingen. Denn mitten in die brachiale Aussichtslosigkeit seiner Traumawelten mischt er teils skurrilen Humor, den man in diesem Kontext kaum erwartet. Auch diese Doppeldeutigkeit greift Quintanas Inszenierung geschickt auf. […]
Sabine Fischer, Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten 19.05.2018

[…] eine zeitlose, packende Auseinandersetzung mit dem Los eines Kriegstraumatisierten. […] Quintana […] macht aus den allegorischen Figuren ein lebendiges, modernes und doch weiterhin düsteres Stück, das wieder mit passgenauen Bildern arbeitet und für das Quintana seine Darsteller zu Höchstleistungen führt. […] trotz bunter Kostüme, knalligen Songs, das Stück bleibt so düster wie das Schicksal seines tragischen Helden, eine entstaubte, aber nicht verfälschte Fassung eines auf diese Art seine Zeitlosigkeit dokumentierenden Stückes, das zeigt, dass auch nach dem Ende eines Krieges dieser nicht einfach vorbei ist, sondern weitere Opfer fordert.
Arnim Bauer, Ludwigsburger Kreiszeitung 26.05.2018

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